Baranek & Renger Blog Rechtschreibung Startup

Rechtschreibung: Start-up oder Startup?

Der Bindestrich in dem Begriff „Start-up“ wird verschwinden, obwohl er eigentlich  im Deutschen und im Englischen korrekt ist, folgt man den einschlägigen Rechtschreibregeln. Die von Linguist*innen immer wieder betonte Faulheit der Sprecher*innen wird jedoch dazu führen, dass sich die Schreibung „Startup“ durchsetzt. Ein Ausflug in den lebendigen Sprachwandel.

Rechtschreibung als Kernkompetenz

Als professionelle Kommunikatoren spielt die Rechtschreibung eine große Rolle in allen unseren Texten, die wir für Kund*innen und für eigene Zwecke veröffentlichen. Leider schleichen sich auch bei uns immer mal wieder Tippfehler ein, die extrem unangenehm sind, weil sie am Selbstverständnis nagen und besagte Kompetenz in Frage stellen. Denn Botschaften können nur dann überzeugen, Fakten nur als verlässliche Information anerkannt werden, wenn sie mindestens richtig geschrieben werden. Das ist die Basis.

Der Bindestrich muss sein

Ein in der Öffentlichkeit oft feststellbarer Fehler besteht in der korrekten Nutzung des Bindestrichs. Das betrifft zum einen Komposita wie „Adidas-Schuhe“ oder zum anderen gerne auch Namen von Orten. Der Platz der Willy Brandt gewidmet ist, heißt eben „Willy-Brandt-Platz“ und nicht „Willy Brandt-Platz“.
Allerdings wandelt sich Sprache und manchmal muss man meines Erachtens einschlägige Standardwerke, die kanonisch die korrekte Schreibung festlegen, einfach ignorieren. Eine aktuelle Recherche lässt uns zum Beispiel zu dem Schluss kommen, den oft für neu gegründete Unternehmen verwendeten Begriff „Start-up“ nun ohne Bindestrich zu verwenden.

Der korrekte Bindestrich: Start-up

Zunächst die Fakten. Das Wort „Start-up“ kommt aus dem Englischen. Dort wird der Begriff mit einem Bindestrich geschrieben, wie es die einschlägigen Lexika Webster und Oxford Dictionary vorschreiben. Daher empfiehlt auch der Duden die Schreibung „Start-up“ für die deutsche Sprache.

Das Chaos
Wie sieht aber die Praxis aus? Um es vorwegzunehmen: Es herrscht Chaos. Hier die Ergebnisse einer kleinen Recherche, die man auf den jeweiligen Webseiten mit der Suchfunktion durchführen kann.

Suchergebnisse in New York Times:

  • start-up: 26.288 Treffer
  • startup: 2.514 Treffer

Selbst die altehrwürdige und sicher hervorragend lektorierte NYT ist also anfällig für die Falschschreibung.

Noch chaotischer geht es in den schnell drehenden, einschlägigen Techmedien zu, die sicherlich nicht so sorgfältig gegengelesen werden.

Suchergebnisse TechCrunch:

  • start-up: 1.292 Treffer
  • startup: 47.930 Treffer

Daher kann es nicht verwundern, dass auch deutsche Medien anfällig sind für die Verwechslung.

Suchergebnisse Spiegel Online

  • Start-up 10.000 Treffer
  • Startup 1.622 Treffer

Selbst in der Onlineausgabe von DIE ZEIT lässt sich das beobachten

  • Start-up: 2.399 Treffer
  • Startup: 279 Treffer

Die Faulheit der Sprecher*innen

Sprache ist ein wandlungsfähiges Medium. Die Sprecher*innen verändern sie ständig. Heerscharen von Linguisten haben sich mit diesem Thema beschäftigt und sind zu dem Schluss gekommen: Einer der entscheidendsten Faktoren, die Veränderungen der gesprochenen und dann der geschriebenen Sprache antreiben, ist die Faulheit der Sprecher*innen. Kleines Beispiel gefällig aus unserem Büroalltag? In der Agentur steht immer wieder die Frage im Raum, wer noch Zeit hat, um Aufgaben zu erledigen: „Wer hat Kapazitäten?“ Inzwischen ist es jedoch Bürosprech geworden: „Wer hat noch Kapa? Hat die Grafik noch Kapa für ein Blogheaderbild?“ Noch schreibt niemand Kapa, wobei: Im hausinternen Slack-Chat ist es schon aufgetaucht.

Fakt ist: Alles Komplizierte in der gesprochenen Sprache wird irgendwann dem menschlichen Hang nach Vereinfachung zum Opfer fallen, wenn es nicht dem Verständnis und dem Kommunikationsziel dient.

Ein Bindestrich verschwindet: Startup

Wir wagen die These: Der Bindestrich in „Start-up“ wird verschwinden. Nicht sofort, aber in 5 bis 10 Jahren ist er weg. Gerade die jüngere Generation geht an dieser Stelle wie so oft voran. Beispiel die Website von Startup Stuttgart: Start-up 142 Treffer, Startup 902 Treffer. Auch ein deutscher Branchenverband von Gründer*innen hat sich dem bereits verschrieben. Er heißt „Bundesverband Deutsche Startups e.V.“. Auf dessen Website vermeldet die Suche nach Start-up:  „no results found“.

Kommentar

+ 59 = 69

Aktuell gibt es noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Kommentare verbergen
Follow
...

Bitte verwenden Sie einen aktuellen Browser, damit die Website korrekt funktioniert.

Sie sollten noch heute aktualisieren.